Ungehörte Kritik

Die Frage danach, welche Art von studentischer Kritik angemessen ist und in welcher Form sie vorgetragen werden sollte, wird zur Zeit breit diskutiert. Studierende am Institut für Erziehungswissenschaften haben einen diplomatischen Weg gewählt und das persönliche Gespräch gesucht. Ihre Kritik wurde am Institut begrüßt und als konstruktiv und produktiv gelobt. Ändern wird sich dennoch leider nichts.
*
Was ist passiert?
Zum Wintersemester 2014/2015 trat am Institut eine neue Studien- und Prüfungsordnung für den Master Erziehungswissenschaften in Kraft. Seitdem ist auch die Pädagogische Psychologie im Pflichtteil des Curriculums vertreten. Besonders das dazugehörige Modul unter Leitung von Prof. Jerusalem ist bei vielen Studierenden auf Ablehnung gestoßen. Änderungswünsche am Aufbau der Lehrveranstaltung, die in den ersten Sitzungen geäußert wurden, wurden ignoriert. Daraufhin verfassten einige Studierende einen Brief an den Modulverantwortlichen, Prof. Jerusalem, in dem sie ihre Kritik an den vermittelten Inhalten und am Aufbau der Lehrveranstaltungen darlegten. Unterzeichnet wurde das Schreiben von 12 Studierenden (von insgesamt 25 Studierenden, die im MA Erziehungswissenschaften das Modul zum ersten Prüfungstermin abgeschlossen haben). Die Anliegen wurden in der Kommission für Lehre und Studium des Instituts diskutiert und stieß auch seitens der dort anwesenden Lehrenden auf Verständnis. Auch eine an der Sitzung teilnehmende Mitarbeiterin von Prof. Jerusalem zeigte sich offen für Veränderungen hinsichtlich einiger kritisierter Punkte. Prof. Jerusalem antwortete schriftlich und erklärte sich zu einem informellen Gespräch unter der Moderation des KLS-Vorsitzenden bereit. Zwei Studierende, die den Brief mit verfasst hatten, bekamen so die Möglichkeit, ihre Kritik im persönlichen Gespräch erneut zu bekräftigen und ihre Änderungsvorschläge für den nächsten Durchlauf des Moduls vorzutragen. Das eineinhalbstündige Gespräch endete allerdings damit, dass sich der Modulverantwortliche auf keinen einzigen Kompromiss, weder inhaltlicher noch formaler Art, einließ. 
 *
Das bedeutet konkret: 
  • Grundannahmen einer „nicht normativen Psychologie“, die in dem Modul vertreten wird, werden weder offengelegt noch thematisiert. Eine Einordnung des Moduls in die Gesamtdisziplin der Erziehungswissenschaft, insbesondere unter kritischen Gesichtspunkten findet nicht statt.
  • Die Vorlesung des Moduls wird weiterhin „kapazitätsneutral“ angeboten, das heißt, dass für die Studierenden des MA Erziehungswissenschaften keine eigene Vorlesung konzipiert und durchgeführt wird, sondern sie die für den Schulkontext und auf konkrete Anwendungsmaßnahmen ausgelegte Lehramts-Onlinevorlesung „belegen“ müssen. 
  • Das Modul wird weiterhin mit einer Multiple-Choice-Klausurabgeschlossen.
  • In den Übungen zur Vorlesung wird weiterhin jede Minute genau verplant sein und es wird keinen Raum für freie Diskussion oder für Kritik an den behandelten Modellen geben.
  • Das Modul wird weiterhin keinerlei Forschungsbezug haben, sondern auf strikte Anwendung hin ausgelegt sein
Abgesehen von der Kritik am Aufbau der Veranstaltung bemängeln wir die Anwesenheitskontrollen, die durchgeführt werden. Jede Sitzung wird in Gruppen eine Aufgabe bearbeitet. Die Namen der Gruppenmitglieder werden auf einem Arbeitsblatt eingetragen und am Ende jeder Sitzung dem_der Dozent_in abgegeben. Nur wer an genügend Sitzungen teilgenommen hat, kann die Veranstaltung bestehen und zur MAP zugelassen werden. Die Fakultäts-KLS hat bereits festgestellt, dass auch eine solche Art von Anwesenheitskontrollen nicht zulässig ist. Schon seit Jahren erreichen uns bezüglich dieser Praxis immer wieder Beschwerden von Studierenden aus den Lehramtsstudiengängen. Prof. Jerusalem lenkte aber auch in diesem Punkt nicht ein. 
 *
Das bedeutet: 
Wir als Fachschaft sind der Meinung, dass so nicht mit studentischer Kritik umgegangen werden darf. Gerade was Inhalt und Aufbau von Lehrveranstaltungen angeht, müssen Studierende ein gewisses Mitgestaltungsrecht haben. Wenn ihr ähnliche Erfahrungen mit Veranstaltungen bei Prof. Jerusalem gemacht habt oder bald eine Veranstaltung bei ihm besuchen werdet, meldet euch bei uns unter: ewi.studierende@gmx.de.
Advertisements

Ein Gedanke zu “Ungehörte Kritik

  1. Witzig, in dem Artikel wird haargenau die Situation im WiSe15/16 (MA Ewi. 2014) beschrieben. Prof. Jerusalem erscheint selbst zu keiner Veranstaltung und es werden Anwesenheitskontrollen durchgeführt. Am Ende des Moduls soll außerdem wieder eine Multiple-Choice Klausur durchgeführt werden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s